ENDLICH ANSCHLUSSFÄHIG?

Von Amts wegen lese ich mit großem Interesse Stellenanzeigen rund um das Thema “Digitale Transformation”. Es sind vor allem die Beratungshäuser unterschiedlicher Größe, die hier händeringend nach Verstärkung suchen. Aber auch einige Unternehmen sind inzwischen aufgewacht und bauen digitale Transformationskapazitäten in Form von Chief Digital (oder Technology oder Information oder Innovation) Officern sowie Digital Transformation Managern auf. Auch wenn die Stellenbezeichnungen von Beratung zu Beratung und von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich sind und sich die Aufgaben in ihrer Tiefe und Breite vermutlich auch unterscheiden, ist die Motivation dahinter doch überall dieselbe: den Anschluss nicht zu verpassen. 

Dass genau das auch und gerade am Standort Deutschland richtig und wichtig ist, zeigen uns Studien und Schriften wie die Digitalstrategie des Bitkom, die den Finger sehr deutlich in die Wunde der deutschen digitalen Abgehängtheit legen. Immerhin, so scheint es, sind die Alarmsignale langsam in der Wirtschaft angekommen. 

DIE ÜBLICHEN VERDÄCHTIGEN

Werfe ich jedoch einen Blick in die besagten Stellenanzeigen, wird der zarte Hoffnungsfunke auf eine fundamentale Kehrtwende in den Köpfen der Besitzstandswahrer jedoch gleich wieder im Keim erstickt. Denn am Ende sind es doch wieder vornehmlich nur Transformationsstrategen und Prozessingenieure, die gesucht werden. 

Dann geht es um Digitalisierungsstrategien und um die Implementierung von technologischen Lösungen. Es geht um digitale Geschäftsmodelle und um Prozessoptimierung, um Tools und Monitoring, um Daten und Analyse. Um Kultur, Menschen und Mindsets geht es indes allenfalls in Nebensätzen. Was aber, wenn genau diese Faktoren für das Gelingen der digitalen Transformation entscheidend sind?

WANDEL BRAUCHT MUT

Es ist fatal, in der digitalen Transformation nur an den Stellschrauben drehen zu wollen, mit denen man sich am wohlsten fühlt. Digitaler Wandel braucht auch (und vielleicht sogar vor allem) einen kulturellen Wandel. Und kulturelle Veränderung im Unternehmen bedeutet nun mal, außerhalb der Komfortzonen manövrieren zu müssen und die Besitzstände in Frage zu stellen. Unternehmen, die bereit sind, ihre Organisation, Führung, Zusammenarbeit, Arbeit  und in letzter Konsequenz vielleicht sogar ihre DNA oder ihren “Purpose” neu zu denken werden in den Umwälzungen der digitalen Transformation die Nase vorn haben. Wenn es ihnen darüber hinaus gelingt, die Mitarbeiter*innen auf allen Ebenen von Anfang an mit auf die Reise zu nehmen, dann sind sie für die Herausforderungen der (zu)vielzitierten VUCA-Welt wirklich gut gewappnet. 

[Wer sich gerne mal intensiver mit den Erfolgsfaktoren zukunftsfähiger Organisationen auseinandersetzen will, dem möchte ich unbedingt das Buch “Reinventing Organizations” von Frederic Laloux empfehlen. Einen guten Überblick gibt die illustrierte Kurzversion, wer tiefer in die “sinnstiftenden Formen der Zusammenarbeit” eintauchen will, dem sei der ausführliche Leitfaden empfohlen.] 

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